IM GLEICHSCHRITT ZUR WELTMEISTERSCHAFT

Fürstenauer Musiker haben großen Titel im Visier – Am 1. Juli geht es nach Kopenhagen

Fürstenau (WB). 53 Männer und Frauen aus der Höxteraner Ortschaft Fürstenau haben ein großes Ziel: Sie wollen Weltmeister werden. In Kopenhagen werden sie vom 1. bis 6. Juli bei der World Association of Marching-Show- Bands um den Titel kämpfen.

 Wenn vom Sportplatz Marschmusik statt Jubelgesänge von Fußballfans zu hören sind, dann ist das in Fürstenau inzwischen nichts besonderes mehr. Dreimal in der Woche trainieren und proben die Musiker des Spielmannsund Fanfarenzuges Fürstenau für die Weltmeisterschaft, die in Dänemark ausgetragen wird. Auch heute Abend, 19 Uhr, arbeiten sie wieder an der Verfeinerung ihrer Choreographie, mit der sie in Kopenhagen gegen 30 Musikformationen aus acht Ländern antreten werden. »Gut sind alle Musikgruppen. Wir haben mindestens 30 scharfe Konkurrenten«, sagt der Vorsitzende Michael Pryswitt.

Seit zwei Jahren laufen die intensiven Vorbereitungen. Und die Musiker haben großen Ehrgeiz: Sie möchten nach all den Proben ganz vorne mitmischen. »Es ist das größte Projekt, das der Verein jemals auf die Beine gestellt hat«, stellt Michael Pryswitt fest. Der Vorsitzende selbst gehört seit 40 Jahren zum Spielmannszug. »Die Teilnahme an der Meisterschaft ist ein einzigartiges Erlebnis. Für einen Musiker ist es ziemlich selten, dass man so etwas erleben darf«, stellt der Fürstenauer fest. Um für das Turnier gewappnet zu sein, haben die Fürstenauer nicht nur viel trainiert, sondern sich auch von einem Profi wichtige Tipps geben lassen.

»Das Wichtigste ist, dass wir eine Einheit darstellen. Alles muss gleich aussehen«, sagt Pryswitt.  Das gilt für den Schritt wie für den Sitz der Uniformen. Das Musizieren und gleichzeitige Marschieren ist äußerst anspruchsvoll. Denn: Die Gruppen zeigen auf einer Fläche von 75 mal 50 Metern die verschiedensten Formationen, auf die sie sich konzentrieren müssen. Es gibt Schwenkungen und Kurven, die Musiker teilen sich auf und laufen durcheinander. Doch niemals wird hier etwas dem Zufall überlassen. Jeder Schritt, jede Schwenkung, ist bis ins letzte Detail eingeübt worden – selbstverständlich im Gleichschritt. Das Komplizierteste ist die Umstellung von vierer auf zweier Reihen und wieder zurück – natürlich alles mitten im Marsch. Bislang haben die Fürstenauer ihr Programm nur beim »Tattoo« in Albaxen öffentlich gezeigt (wir berichteten). »Die Stimmung ist top. In Albaxen hat alles sehr gut geklappt. Wir haben ein gutes Gesamtbild gezeigt«, ist Michael Pryswitt zufrieden. Er ist das »äußere Auge« des Spielmannzuges und achtet darauf, dass das Marschieren funktioniert. Für den musikalischen Part ist Tobias Wittrock zuständig.

Etwa zwölf Minuten dauert das Programm, das die Fürstenauer in Kopenhagen zeigen werden. Gespielt wird der »Badonviller Marsch«, der vor 100 Jahren für das Königlich-Bayerische Infanterie- Leibregiment komponiert wurde. Außerdem präsentieren sie den »Adlerflug«.

Die Weltmeisterschaft bringt die Fürstenauer an den Rand des Machbaren, nicht nur wegen der vielen Proben, an denen stets 40 Musiker teilnehmen. Sie alle nehmen die Herausforderung ernst. Doch allein die Kosten für die Fahrt und Unterbringung belaufen sich auf mehr als 30 000 Euro. Ein Sponsor unterstütze den Verein großzügig, heißt es. Dennoch muss sich jedes Mitglied finanziell beteiligen, um das Projekt »Weltmeisterschaft « überhaupt stemmen zu können.

Michael Pryswitt stellt angesichts der steigenden Anspannung in der Truppe klar: »Die Nervosität steigt, aber wir alle freuen uns darauf. Es muss jetzt bald losgehen.« Doch die Fürstenauer haben für die Zeit nach der WM schon die nächsten Pläne: Im September nehmen sie an der Niedersachsen- Meisterschaft teil und 2016 wollen sie wieder bei der Deutschen Meisterschaft antreten. Außerdem gibt es noch eine Einladung zu einem einwöchigen Festival in Shanghai. Bei der Veranstaltung sollen die heimischen Musiker vor Touristen auftreten. Man darf sicher sein: Von den Fürstenauern wird man noch viel hören.

Die Weltmeisterschaft 

Der Spielmanns- und Fanfarenzug Fürstenau wird am Mittwoch, 1. Juli, um 5 Uhr mit zwei Bussen und 78 Personen nach Kopenhagen aufbrechen. Im Gefolge sind weitere 30 Privatfahrer in Autos. Nach zwölf Stunden Fahrt werden die Musiker die WM-Stadt erreichen. Einquartiert sind die Musiker in Europas größtem City-Hostel. Ganz Kopenhagen ist zwischenzeitlich ausgebucht. Die Musiker werden sich vor Ort selbst verpflegen. Das WM-Programm für die Fürstenauer beginnt am selben Tag mit der Eröffnungsfeier. Am Donnerstag haben die Musiker dann ihren ersten Auftritt bei einer Straßenparade durch Kopenhagen.

Am Freitag, 3. Juli, werden die Fürstenauer dann ihr Können im Wettstreit zeigen. Sie haben 15 Minuten Zeit, um ihre Choreographie vor der Jury und dem Publikum zu zeigen.

Für Sonntag, 5. Juli, ist die Rückfahrt vorgesehen. Zu den Teilnehmerländern gehören nach Angaben des Spielmannund Fanfarenzuges Fürstenau Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen, Venezuela, Australien, Brasilien und Kolumbien. Auch ehemalige Weltmeister werden als Konkurrenten antreten. Zu den stärksten deutschen Gruppen gehört der Fanfarenzug Dresden, ehemaliger Deutscher Meister. Fürstenau wurde 2013 Deutscher Vizemeister.

Von Ingo Schmitz
[Quelle: Westfalenblatt vom 17. Juni 2015]